25. Februar 2021

Vier Jahre BAGSV: Wir dürfen stolz sein!

Andreas Lutz beim ersten BAGSV-Treffen im Februar 2017, Foto: Jan-Peter Wahlmann

Vor vier Jahren, im Februar 2017 entstand die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstständigenverbände aus dem gemeinsamen Wunsch in Berlin besonders aktiver Berufsverbände, den Soloselbstständigen mehr Gewicht und eine deutlichere Stimme zu geben.

Die damalige Arbeitsministerin Andrea Nahles war unfreiwillige Geburtshelferin. Sie hatte im September 2016, nachdem unsere Proteste gegen das so genannte „Werkvertragsgesetz“ (heute „Arbeitnehmerüberlassungsgesetz“) nicht nachließen, eine Reihe von Selbstständigenvertretern zu einem „Kamingespräch“ eingeladen.

Ich kann mich noch genau erinnern, wie ihre Mitarbeiter erstaunt – mit wie ich mir einbilde leicht besorgtem Unterton – fragten: „Sie kommen ja alle gemeinsam! Haben sie sich vorher getroffen?“

Ja, das hatten wir damals auf meine Initiative hin und alle Beteiligten, einschließlich Frau Nahles stellten fest, wie viel überzeugender wir als Berufsverbände auftreten konnten, wenn wir zuvor eine Chance zum Gespräch untereinander hatten.

Drei Treffen jährlich

Victoria Ringleb bei unserem ersten Treffen, Foto: Jan-Peter Wahlmann

Unter den Teilnehmern war auch Victoria Ringleb, Geschäftsführerin des AGD. Sie wollte ebenso wie ich aus dem einmaligen Treffen ein wiederkehrendes machen und sorgte dafür, dass wir uns im Februar 2017 im Haus der Kulturverbände zu unserem ersten eigenen Treffen versammeln konnte. Nur ein Teil von uns kam allerdings aus der Kulturwirtschaft, wir waren vielmehr schon damals ein breiter Querschnitt von Verbänden und Initiativen, der alle möglichen Branchen repräsentierte, in denen Soloselbstständige tätig sind.

Drei Mal jährlich trafen wir uns seitdem in Berlin, erst im Corona-Jahr 2020 mussten wir zwangsläufig stärker auf Videokonferenzen umsatteln.

Über Zwischenstationen bei Blackbox Music, beim Bundesverband der freien Musikschulen und dem Friedrichstadt Palast landeten wir im Axicon Konferenzzentrum, das für Abgeordnete vom Bundestag bequem zu erreichen ist, und schließlich bei GoToWebinar und Zoom…

Drei Sprecher/innen

Rechts vorn in schwarz: Marcus Pohl, Foto: Jonas Kuckuk

Bei unserer ersten Sitzung 2017 wurden Victoria und ich zu den Sprechern des Bündnisses gewählt, schon bald stieß Marcus Pohl vom ISDV hinzu, dem es als Veranstaltungsprofi ein ganz besonderes Anliegen ist, dass wir uns hoffentlich bald wieder auch physisch treffen können.

Statt uns in Diskussionen über Vereinsstrukturen zu verlieren und im Anspruch, einen Dachverband aufzubauen, der alles koordiniert, haben wir uns von Anfang an gefragt: Wo haben unsere Mitglieder Schnittmengen und gemeinsame Interessen? Von einem oder mehreren Verbänden erarbeitete Positionspapiere und Stellungnahmen wurden von den anderen nach wohlwollender Prüfung mitgezeichnet – aber ohne Verpflichtung, immer auf einer freiwilligen Basis. Und deshalb mit voller Überzeugung!

 

Gemeinsame Erfolge

Selfie nach Anhörung im  Bundesgesundheitsministerium: Jochen Clausnitzer (BDD), Andreas Lutz (VGSD) und Ralf Lemster (BDÜ)

Gleich bei der ersten Sitzung entstand ein Bündnis aus BDD, BDÜ und VGSD, das sich vornahm, etwas gegen die hohen und ungerechten Mindestbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung zu tun, die Teilzeitselbstständigen und Gründern nicht genügend Geld zur Altersvorsorge ließen. Gemeinsam gelang uns, was wahrscheinlich keiner von uns alleine geschafft hätte: Zum 01.01.2019 wurden im Rahmen des GKV-Versichertenentlastungsgesetzes die Mindestbeiträge für Selbstständige um 56 Prozent gesenkt!

2019 wurden wir dann vom BMAS in Fachgespräche über die Altersvorsorgepflicht und später zur Reform des Statusfeststellungsverfahrens eingebunden, sieben Sitzungen zu je sechs Stunden mit BDA, DGB & Co, zu denen wir anerkanntermaßen einen fachkundigen und konstruktiven Beitrag leisteten.

2020 in der Corona-Krise zeigte sich wie unter einem Brennglas, wie wenig die Regierung die Lebenssituation von Soloselbstständigen versteht. Allen Verbänden wurde deutlich, dass wir diese Herausforderung nur gemeinsam bestehen und etwas zum Guten verändern können. Entsprechend wuchs die BAGSV kräftig weiter. Es zeigte sich: wenn es sie noch nicht gegeben hätte, spätestens jetzt hätten wir sie gründen müssen!

 

Corona-Krise zeigte: wenn es die BAGSV nicht gäbe, müsste sie jetzt erfunden werden

2021 beginnen wir nun mit einer Veranstaltungsreihe unter dem Titel „BAGSV Wirtschafts- und Sozialdialog“. Gleich zum ersten Treffen kam eine Staatssekretärin sowie der stellvertretende Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Wirtschaft.

Als selbstständige Unternehmer, die wir alle sind, haben wir natürlich jede Menge Ideen, was wir in den nächsten Monaten und Jahren alles tun wollen, um die BAGSV weiter zu entwickeln und den Selbstständigen und ihren Anliegen mehr Gewicht zu geben.

Ich möchte an dieser Stelle allen Verbänden und Initiativen, die bei uns mitarbeiten oder uns mit Sympathie von außen unterstützen an dieser Stelle ganz herzlich danken.

Wir dürfen stolz sein auf das Erreichte und uns auf das freuen, was wir gemeinsam noch erreichen werden!

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